Likör Cocktails

Sidecar

Sidecar
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Der Sidecar ist ein eleganter, klassischer Cocktail aus der goldenen Ära der Barkultur. Mit seiner harmonischen Kombination aus Cognac, Orangenlikör und frischer Zitrone bietet er eine ausgewogene Balance aus Süße, Säure und Wärme. Der Drink wirkt schlicht, aber edel – perfekt für alle, die zeitlose Klassiker mit klarer Struktur und feinem Aroma schätzen.
Sidecar Mach Platz: Sidecar-Cocktail selber mixen

Hand auf’s Herz: Wisst ihr, was ein Sidecar ist? Für die Motorradfahrer unter euch handelt es sich dabei vielleicht um den Beiwagen, der an der Seite der Maschine befestigt wird, um einen zusätzlichen Passagier zu transportieren. Apple-User kennen als Sidecar jene Software, die zwei Geräte miteinander verbindet.

Unter Bartendern wiederum kann das Wort „Sidecar“ drei verschiedene Bedeutungen annehmen: Welche das sind und wie ihr den wohl beliebtesten Cognac-Cocktail aller Zeiten zuhause selber mixen könnt, zeigen wir euch hier.

Cognac und Cointreau: Geschichte des Sidecar-Cocktails

Wie bei vielen Drinks, die der Zeit um die Prohibition herum entstammen, streiten sich auch beim Sidecar mehrere Bartender um seine Urheberschaft: David A. Embury, seines Zeichens ein amerikanischer Rechtsanwalt, zugleich aber Autor des 1948 erschienenen Klassikers „The Fine Art of Mixing Drinks“, schreibt die Erfindung des Cocktails einem französischen Hauptmann zu, der sich regelmäßig im Sidecar eines Motorrads zum Barmann seines Vertrauens kutschieren lassen habe – daher auch der Name. Die Story lässt sich gut erzählen, wahrscheinlicher aber ist es, dass sich der Sidecar aus Vorgänger-Varianten wie der Brandy Daisy und dem Brandy Crusta entwickelt hat.

Als zweiter „Erfinder“ des Drinks gilt Harry MacElhone, Eigentümer der weltbekannten Harry’s New York Bar in Paris, der das Rezept in seinem 1921 erschienenen Buch Harry’s ABC of Mixing Cocktails noch dem Bartender Pat MacGarry zuwies, später aber dessen Namen herausstrich, um sich selbst die Urheberschaft zuzuschreiben.

Kurz gesagt: Der Sidecar-Cocktail entstand ziemlich sicher zur Zeit des ersten Weltkriegs in Paris, dem Heimatland von Cognac und Cointreau; woher genau er seinen Namen erhielt, ist leider nicht bekannt. Sicher wissen wir, dass der Brandy Crusta, den Barlegende Jerry Thomas 1862 in seinem Buch How to Mix Drinks beschreibt, mit Cognac, Zitronensaft, Bitters und Curacao aus sehr ähnlichen Zutaten bestand und auch die Brandy Daisy aus Brandy, Chartreuse, Zitronensaft, Zucker und Soda in ihrer Grundstruktur an unseren heutigen Sidecar-Cocktail erinnert.

Der Sidecar-Cocktail, wie wir ihn heute kennen, war also aller Wahrscheinlichkeit nach keine Neuerfindung, sondern vielmehr die auf wenige, aber hochwertige Zutaten reduzierte Variante eines bestehenden Rezepts.

Shot, Shot, Shot: Sidecar-Cocktail selber mixen

Wir haben zu Beginn auf die Bedeutungsvarianten des Sidecars hingewiesen: An der Bar bezeichnet der Begriff neben dem Cocktail ein kleines Shotglas, das zusätzlich zum ‚eigentlichen‘ Getränk gereicht wird: Zum Beispiel das Glas Wasser zum Espresso oder den kleinen Schluck Champagner, der zum Pornstar Martini gereicht wird. Nach Dale DeGroff ist ein Sidecar jener Rest, der im Shaker zurückbleibt, wenn ein Bartender sich in der Menge der Zutaten verschätzt und zu viel von einem Cocktail produziert hat. Dieser wird sodann in einem kleinen Shotglas zum Drink serviert (oder vom Thekenpersonal konsumiert, aber davon wissen wir nichts).

Geht es um den Cocktail selbst, dann hat er in den letzten Jahren wie viele Rezepte, die auf Weinbrand basieren, Staub angesetzt und ist zwar jedem halbwegs ausgebildeten Bartender ein Begriff, aber kein Drink, der täglich verlangt wird. Ganz klassisch nach der Französischen Schule gemixt, besteht der Sidecar zu gleichen Teilen aus Cognac, Cointreau und frisch gepresstem Zitronensaft. Folgt man der sogenannten Englischen Schule, wird die Menge des Cognacs verdoppelt, Süße (der Cointreau) und Säure (Zitrone) bleiben gleich. Beide Varianten sind gängig und akzeptabel, bei der Englischen tritt der Cognac stärker in den Vordergrund: Entscheidend ist also, wie immer, die Wahl der Zutaten.

So gut wie alle Rezepte des Sidecars fordern explizit Cointreau, keinen anderen Orangenlikör – ihr könnte auch einfacheren Triple Sec verwenden, erhaltet aber nicht das gleiche Ergebnis. In Sachen Cognac gilt dasselbe: Auch Brandy funktioniert, schmeckt aber anders. Wollt ihr die ‚echte‘ Erfahrung eines frisch gemixten Sidecar-Cocktails machen, lohnt es sich also, eure Lieblingsbar aufzusuchen oder beim Kauf der Zutaten etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

Sidecar selber mixen – die Zutaten

Cognac
3 cl
Cointreau
3 cl
Zitronensaft
3 cl

Sidecar Zubereitung – Schritt für Schritt

  1. Falls gewünscht: Rand eines Martiniglases bzw. einer Cocktailschale mit Zitronensaft benetzen, in Zucker tauchen und antrocknen lassen, um einen Zuckerrand zu kreieren.
  2. Alle Zutaten mit viel Eis in einen Shaker geben.
  3. Kräftig schütteln, bis die Außenseite des Shakers beschlägt.
  4. Doppelt in das vorbereitete (möglichst vorgekühlte) Glas abseihen.
  5. Eventuell mit einer Zitronenzeste garnieren.

FAQ zum Sidecar Cocktail

Was ist ein Sidecar?

Als Sidecar bezeichnet man in der Regel ein Shotglas variierenden Inhalts, das zusätzlich zum Hauptgetränk gereicht wird: Beliebt sind zum Beispiel Grand Marnier, Cointreau, Grappa oder Haselnussschnaps zum Espresso, aber auch Wasser oder Vodka, um andere Geschmäcker herunterzuspülen und den Mund zu reinigen.

Was ist der Unterschied zwischen Cognac und Brandy?

Sowohl beim Cognac als auch beim Brandy handelt es sich im weitesten Sinne um Weinbrand. Aber während sich als „Brandy“ im englischsprachigen Raum wirklich alles schimpfen darf, das ansatzweise aus einer Weintraube entstand, ist der Begriff „Cognac“ streng reglementiert und auf die gleichnamige französische Region als Herkunftsort beschränkt.

Kann ich einen anderen Triple Sec verwenden?

Cointreau gilt als einer der bekanntesten Orangenliköre bzw. Triple Secs auf dem Markt und war eine Zeit lang so beliebt, dass viele Rezepte der sogenannten Goldenen Ära der Barkultur (um 1920 herum) explizit Cointreau als Zutat fordern. Mittlerweile gibt es genügend andere Triple Secs auf dem Markt, die sich geschmacklich in Sachen Süße und Aroma aber zum Teil stark unterscheiden. Probiert aus, was euch schmeckt, um euren persönlichen Favoriten zu küren.

Sidecar
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persönliche Meinung
Normalerweise kann ich an dieser Stelle zu jedem Drink eine (mehr oder minder) lustige Anekdote erzählen. Hier nicht. Ich habe in meinem Leben vielleicht ein oder zwei Sidecars gemixt, einen davon ziemlich sicher in der Barschule. Wirklich oft wird der Drink leider nicht verlangt. French und English School waren mir ein Begriff, auch die Kategorie der „Daisys“, die Cointreau oder einen anderen Likör statt Zucker als Süßungsmittel verwenden.

Aber Cognac, Brandy und Drinks, die auf diesen Zutaten basieren, werden in „normalen“ (nicht gehobenen) Bars nur sehr selten verlangt, was eigentlich schade ist. Rum, Cachaca und Co hatten in den letzten Jahren ihren Aufschwung: Warum nicht bald der Weinbrand?

P.S.: Der Zuckerrand beim Sidecar ist optional und vermutlich Überbleibsel des Brandy Crusta-Rezepts. Für den Sidecar-Cocktail finden sich entsprechende Anweisungen erst nach 1930 – also einige Zeit nach seiner „Erfindung“ in den 20er Jahren!
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